Singapore
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Borneo


Singapore. Eine 4-Mio.-Einwohnerstadt 130 km nördlich des Äquators. Gegründet 1819 von Sir Stamford Raffles. 1965 wurde die 618 km² große Insel ein selbständiger Staat. Seit damals regiert eine Art Einheitspartei, die so gut wie alle Sitze im Parlament hat (ca. 95 %). Nicht fragen, wie so etwas über fast 4 Jahrzehnte hinweg in einer "Republik" möglich ist.
Singapore gehört zu den Ländern mit dem höchsten Lebensstandard und ist nach Japan das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen Asiens. Und das alles nur aufgrund der strategisch so günstigen Lage an der Südostspitze des asiatischen Kontinents.
Übrigens hat der Staat Singapore, seit Hong Kong kein eigener Staat mehr ist, mit 6400 Einwohner/km² die höchste Bevölkerungsdichte der ganzen Welt. 77 % der Bevölkerung Singapores sind Chinesen. Der Rest sind Inder und Malayen. Europäer und Eurasier stellen nur eine geringe Minderheit. So hat Singapore 4 offizielle Sprachen: Englisch, Chinesisch, Malayisch und Tamil. Malayisch ist die Nationalsprache, da Singapore bis 1965 zu Malaysia gehörte. Die allgemeine Verständigungssprache ist aber natürlich Englisch.

Singapore. Der Name steht für eine der saubersten Großstädte, die die Menschheit je gesehen hat. Auf den ersten Blick erscheint sie zwar nicht so sauber, da das tropische Klima doch seine Spuren aufgrund der starken chemischen Verwitterung hinterläßt. Aber wenn man genauer hinschaut, findet man keinen Dreck auf der Straße oder im Straßengraben. In der Innenstadt sowieso nicht. Dort ist alles beinahe "klinisch rein". Aber selbst in den Außenbezirken, wo die ganzen Hochhaussiedlungen sind, wo jeweils einige 100.000 Menschen auf engstem Raum leben, sind die Ecken und Winkel sehr sauber. In den U-Bahn-Stationen könnte man sogar vom Boden essen.
Das mag daran liegen, daß Essen und Trinken im gesamten U-Bahn- und Bus-Bereich verboten ist. Darauf stehen horrende Strafen (>500 S$), für Rauchen muß man sogar 1000 S$ berappen. Daß solch hohe Strafen eine abschreckende Wirkung erzielen sollen, ist klar, aber daß das System dann auch wirklich funktioniert, das ist verblüffend.
Mir würde spontan eigentlich keine vergleichbar große Stadt in Europa einfallen, die so sauber wäre wie Singapore.
Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit auf Singapores Straßen. Kriminalität ist so gut wie nicht existent. Ich kann hier nachts durch die Häuserschluchten in der Vorstadt spazieren und muß überhaupt keine Angst haben, daß etwas passiert. Es gibt keine "üblen" Stadteile in Singapore. Einzig und allein Geylang soll der Rotlichtbezirk Singapores sein. Also ich habe dort die ersten 3 Nächte im Hotel verbracht nach meiner Ankunft und habe nicht ein einziges "Mädchen" am Straßenrand stehen sehen. Was soll denn dann meine Wohnung in Saarbrücken erst gewesen sein, wo jeden Abend direkt auf der anderen Straßenseiter immer drei Frauen ihre Dienste anboten, obwohl das noch nicht mal der Rotlichtbezirk war? Aber alles was mit solchen Dingen zu tun hat, ist sowieso strengstens verboten hier in Singapore.
Ich habe nach 4 Wochen das erste Mal ein Polizeiauto auf der Straße gesehen!

Singapore. Eine langweilige Stadt? Nein und ja. Nein, weil es hier natürlich schon vieles zu sehen und zu erleben gibt. Die Stadt tut in der Beziehung auch einiges für ihre Bürger. Ja, weil generell alles, was Spaß macht, Geld kostet. Ohne Ausnahme. Deshalb kann man sich die meisten Dinge nicht mehr als einmal anschauen. Würde einfach zu teuer. Ganz schlimm ist auch die Vorstellung, daß es hier natürlich auch Leute gibt, die ihr ganzes Leben hier auf dieser 20x30 km großen Insel verbringen. Die wenigsten fahren auch öfter mal weg. Es ist auch eine Qual, die Insel zu verlassen. Es gibt Richtung Malaysia gerade mal 2 Brücken. Die eine geht aber ins Nirgendwo und ist vielleicht für die interessant, die irgendwo in dieser Richtung hinwollen. Die einzig wahre Verbindung nach Malaysia geht nach Johor Bahru. Das ist das Gegenstück zu Singapore auf dem Festland. Auch eine Großstadt, aber total verdreckt. Dort beginnt auch die Nord-Süd-Autobahn von Malaysia, die einen sehr schnell in alle Regionen Malaysias bringt. Doch ist der Grenzübergang an Wochenenden immer hoffnungslos verstopft. Das kann auf Dauer auch keinen Spaß machen. Ein Grenzposten auf Singaporeanischer Seite, eine 1 km lange Brücke (bzw. ein Damm) und ein Grenzposten auf Malaysischer Seite. Wenn es dumm läuft kann das über 1 Stunde dauern, bis man sich überall seinen Stempel abgeholt hat!

Singapore. Eine teure Stadt? Ja und nein. Die Orchard Road im Zentrum der City soll eine der teuersten Straßen der ganzen Welt sein. Hier steht auf mehreren Kilometern Länge ein Shopping Center neben dem anderen, eins größer als das andere. Hier kann man sein Geld schon schnell loswerden.
Pech hat auch der, der nicht ohne sein Bierchen am Wochenende auskommt. Selbst im Supermarkt kostet eine Flasche schon knapp 5 S$ (= 6 DM). Wenn man Glück hat, bekommt man in den Bars ein Jug (ca. 1,5 l-Krug) für 20 S$. Von Wein möchte ich gar nicht erst sprechen. Zigaretten kosten hier auch das Päckchen 7 S$ (= 9 DM). Zum Glück rauche ich nicht und bin auch nicht auf Bier angewiesen.
Autos sind furchtbar teuer in Singapore. Bei dieser hohen Bevölkerungsdichte wäre es ja auch gar nicht möglich, daß jeder Bürger ein eigenes Auto fahren würde. Das würde die Insel nicht verkraften.
Wer hier ein Auto fahren will muß ca. 120.000 S$ für einen kleinen Mittelklasse-Wagen bezahlen (beinhaltet auch die Berechtigung das Auto 10 Jahre lang über Singapores Straßen zu bewegen, aber trotzdem müssen überall nochmal zusätzlich Straßengebühren bezahlt werden, die automatisch abgebucht werden). Allerdings fahren hier auch überaus viele ganz dicke Mercedes-Schiffe herum. Was die kosten, konnte ich noch niemand fragen. Alte Schräppchen gibt es hier gar nicht. Somit ist Singapore auch das teuerste Land der Welt für Autofahrer.
Ein normale Hochhauswohnung kostet zwischen 1000 und 2000 S$ pro Monat. Die wenigen normalen Häuser können sich auch wiederum nur die Reichen leisten. Da müssen dann schon 4000 S$ ++ (open end) hingelegt werden. Verdammt teuer!
Was aber gar nicht teuer ist in Singapore, sind die Dienstleistungen. Zum Beispiel Taxifahren ist gar nicht mal so teuer. Einmal quer über die Insel kostet zwischen 10 und 15 S$. Von meinem Haus in die Stadt ist mit 6-7 S$ zu rechnen (mit dem Bus 1 Stunde). Buspreise sind auch entsprechend billig (von 60 Cent bis max. 1,40 S$).
Essen ist es etwas, was man hier ebenfalls sehr günstig bekommen kann. In den unzähligen Food Centers, die es hier wirklich "alle Nas´ lang" gibt, bezahlt man für ein Essen zwischen 2 und 4 S$. Das reicht in der Regel auch. Das Essen führt mich auch gleich zum nächsten Abschnitt.

Singapore. Ein kulinarischer Hochgenuß? Ja und Nein. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die hier leben, gibt es natürlich auch eine riesige Auswahl an Gerichten. Für jeden Geschmack etwas. Die meisten Spezialitäten gibt es aber auch wieder nur in Restaurants, die einfach zu teuer sind. In den Food Centers gibt es meistens nur chinesisches Essen, hier und da auch mal indisches oder malayisches Essen. Aufgrund des niedrigen Preises kann man auch keine so überragende Qualität erwarten. Klar, das Essen ist in Ordnung und auch meistens recht gut, aber die Chinesen haben irgendwie eine Vorliebe für Essen, daß auch Zahnlose mühelos runterbringen können. Bezeichnend ist auch, daß man eigentlich in keinem Food Center Messer zum Essen bekommt. Man kann alles mit Gabel und Löffel essen. Ohne Ausnahme. Manchmal vermißt man einfach was festes zwischen den Zähnen, ob jetzt Schnitzel oder Brot. Wenn ich hier am Saftstand einfach nur ein Karotte zum Essen haben will, werde ich meist erstmal verdutzt angeguckt, als ob man sowas hartes nicht einfach so essen könnte. Chinesen können es scheinbar nicht. Vielleicht sollte ich ihnen mal eine gute Zahnpasta empfehlen...
An dieser Stelle möchte ich doch mal aufzählen, was Chinesen so alles essen. Ich habe es aus erster Hand. Das meiste habe ich schon selbst gesehen oder probiert, die ganz abartigen Dinge weiß ich von einem sehr netten Singaporeaner, mit dem ich mal essen war (aber keine der folgenden Sachen), und der das alles bereits probiert hat.
Fangen wir mal an mit "Curry Fish Head". Was bitte schön ist an einem Fischkopf dran, was man essen kann? Ich probierte es mal, war aber eher spärlich. Manche sollen angeblich die Augen des Fisches essen. Das nächste sind "Chicken Feet". An den Hühnerfüssen ist überhaupt kein Fleisch dran. Da soll nur die Haut gut schmecken. "Fish Balls" habe ich auch schon probiert. Hat aber nix mit unseren Fischstäbchen zu tun. Das ist irgendeine Masse von der Konsistenz von Tofu, was nach Fisch schmeckt. Unnötig.
Jetzt kommen die etwas härteren Sachen. Ich probierte mal "Clams" auf Singaporeanische Art. Die Muscheln werden eine Minute ins heiße Wasser geworfen, um sie zu töten. Dann werden sie serviert. Man muß sie mit viel Gewalt aufbrechen. Ich dachte eigentlich, daß man keine Muscheln essen soll, die noch zu sind. Auf jeden Fall sind die Muscheln innen drin natürlich noch roh. Sie schmecken furchtbar fischig und nach Hafen.
Nun zu den Sachen, die ich garantiert nicht probieren werde. Da wären zum einen die Riesenkakerlaken, die hier auf der Straße rumrennen (ca. 5-8 cm lang). Ist nicht so recht vorstellbar, daß man diese essen will, genauso wie malayische Ratten, die sogar größer als eine Katze werden sollen. Seltsam ist auch die Vorstellung, Tiger-Penis zu essen. Die Chinesen glauben an dessen potenzsteigernde Wirkung. Daß das Erlegen von Tigern hier zwar nirgendwo erlaubt ist, stört in den ärmeren Nachbarländern keinen so richtig.
Das aller übelste ist aber "Monkey Brain". Soll man in Indonesien bekommen können. Man stelle sich einen Tisch mit einem Loch in der Mitte vor. Dort muß der lebendige Affe seinen Kopf durchstecken und es wird ihm der Schädel aufgesägt. Danach wird ausgelöffelt. Für mich eine Horrorvorstellung!

Singapore. Eine Reise wert? Allemal! Dieses (friedliche) Zusammenleben so vieler verschiedener Bevölkerungsgruppen ist wohl einzigartig auf der Welt und macht auf diese Weise einen Aufenthalt zumindest für ein paar Tage interessant. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie es hier schaffen, einen Lebensstandard aufrecht zu erhalten, was weder die Chinesen in China, noch die Malayen in Malaysia geschweige denn die Inder in Indien zu tun vermögen. Das ist auch nicht auf die Engländer zurückzuführen, die die Stadt hier gegründet haben. Singapore ist seit 36 Jahren selbständig (ohne europäische Hilfe) und der große wirtschaftliche Aufschwung erfolgte auch erst danach.
Es ist faszinierend zu sehen, daß sowas funktionieren kann, ohne daß irgendwelche Minderheiten auf irgendeine Art und Weise diskriminiert werden.
Ich bereue es nicht, hier gewesen zu sein.




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© Daniel Gunkel, 28 Aug 2001
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